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Samanischwilis Stiefmutter

Autor
Kldiaschwili, Dawit

Samanischwilis Stiefmutter

Untertitel
Kurzroman. Aus dem Georgischen von Rachel Gratzfeld
Beschreibung

Bekina Samanischwili, ein in die Jahre gekommener, verarmter georgischer Landadeliger, lebt im späten 19. Jahrhundert auf seinem Gut zusammen mit der Familie seines Sohnes Platon wie viele andere von der Hand in den Mund. Weniger dünkelhaft benimmt er sich deswegen aber beileibe nicht! Nach dem Tod seiner Frau setzt er sich in den Kopf, dass eine neue Gefährtin ihn zum Glücklichsten aller Glücklichen machen würde. Und von diesem Moment an nimmt das Schicksal seinen Lauf …
(ausführliche Besprechung unten)

Verlag
Dörlemann Verlag, 2018
Seiten
160
Format
Gebunden
ISBN/EAN
978-3-03820-060-4
Preis
20,00 EUR
Status
lieferbar

Zur Autorin / Zum Autor:

(1862-1931) Erzähler und Dramatiker, entstammte einer Kleinadeligenfamilie. Er ist einer der herausragenden Dawit Kldiaschwili, Schriftsteller des ausklingenden kritischen Realismus in Georgien. Seine Werke üben schonungslose Kritik an den sogenannten Herbstfürsten, den Vertretern der abgewirtschafteten, überlebten Aristokratie. Er ist ein hervorragender Stilist mit feinem Sinn für Humor. Sein Kurzroman Samanischwilis Stiefmutter erschien 1896 und wurde zweimal verfilmt, 1926 von Kote Mardschanischwili und 1977 von Eldar Schengelaia. Als eines der Lieblingsstücke der Georgier wird Samanischwilis Stiefmutter immer wieder als Theaterstück aufgeführt.

Zum Buch:

Bekina Samanischwili, ein in die Jahre gekommener, verarmter georgischer Landadeliger, lebt im späten 19. Jahrhundert auf seinem Gut zusammen mit der Familie seines Sohnes Platon wie viele andere von der Hand in den Mund. Weniger dünkelhaft benimmt er sich deswegen aber beileibe nicht! Nach dem Tod seiner Frau setzt er sich in den Kopf, dass eine neue Gefährtin ihn zum Glücklichsten aller Glücklichen machen würde. Und von diesem Moment an nimmt das Schicksal seinen Lauf …

Platon bereitet der Heiratswunsch seines Vaters schlaflose Nächte: Er fürchtet nichts so sehr wie die Geburt eines Halbbruders – und überlässt deshalb die Sache keinem Kuppler, sondern macht sich lieber selbst auf die Suche nach einer passenden Gefährtin für den Vater. Seine Idee kommt ihm so perfide wie genial vor: Er wird eine kinderlose zweifache Witwe suchen. Als er auf der Landstraße dem vermögenden Dorfadvokaten Gwerdewanidse begegnet, kommt er schneller als gedacht er seinem Ziel nahe. Denn der erzählt Platon von seiner Verwandten, die als kinderlose zweifache Witwe bei ihren Stiefsöhnen – verarmter Adel auch sie – ein elendes Leben führen muss. Und als Platon bei einem Saufgelage mit seinem Schwager Kirile auch noch auf den Neffen dieser Witwe trifft, ist er zur eigenen Erleichterung allzu gern bereit, an göttliche Fügung zu glauben.

Wie die Geschichte weitergeht, kann man sich fast schon denken. Deswegen ist sie nicht weniger unterhaltsam: Hin- und hergerissen zwischen Lachen und Entsetzen ob der unerschütterlichen Überheblichkeit des Landadels, finden sich Leserinnen und Lesern mitten im Leben des ausgehenden 19. Jahrhunderts wieder: auf Hochzeitsfesten, die nach Unmengen genossenen Weines gerne in Raufereien enden, in Gesellschaften, wo jeder sein eigenes Süppchen kocht, um sich den eigenen Lebensabend – oder wenigstens die nächsten Monate – zu sichern, und nicht zuletzt auch im bitteren Alltag, wo die Hausfrau tatsächlich erst das Huhn vom Baum holen muss, bevor sie ihre Gäste bewirten kann. Ein lebendiges, humorvolles und dabei liebenswert einfühlsames Porträt des gesellschaftlichen Milieus, dem der Autor selbst entstammte.

Susanne Rikl, München