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Aus Mangel an Beweisen

Autor
Thill, Hans; Braun, Michael (Hg)

Aus Mangel an Beweisen

Untertitel
Das große deutsche Gedichtbuch des 21. Jahrhundert
Beschreibung

Dieses Tableau der Deutschen Lyrik 2008 -2018 ist die sorgfältig zusammengetragene literarische Weisheit der Vielen aus der letzten Poesie-Dekade, die – in Gedichten von 180 Dichter*innen präsentiert wird. Und doch klingt die Behauptung, dies sei “eine ebenso vorläufige wie irrtumsanfällige Bestandsaufnahme der lyrischen Schreibweisen im noch jungen 21. Jahrhundert”, ein wenig nach Understatement.
(ausführliche Besprechung unten)

Verlag
Das Wunderhorn, 2018
Seiten
319
Format
Gebunden
ISBN/EAN
978-3-88423-601-7
Preis
26,80 EUR
Status
lieferbar

Zur Autorin / Zum Autor:

Herausgeber
Michael Braun, geboren 1958 in Hauenstein/Pfalz, Studium der Germanistik und Politischen Wissenschaft, lebt als Literaturkritiker in Heidelberg. Er veröffentlicht Essays zu Fragen einer zeitgenössischen Poetik. 2007 bis 2011 gab er den Deutschlandfunk-Lyrikkalender heraus (Wunderhorn), seit 2012 den Lyrik-Taschenkalender. 2018 Alfred-Kerr-Preis für Literaturkritik.

Hans Thill, geboren 1954 in Baden-Baden, lebt seit 1974 in Heidelberg als Lyriker und Übersetzer. Peter-Huchel-Preis 2004. Mitbegrunder des Verlags Das Wunderhorn. Leiter der jährlichen Übersetzer-Werkstatt »Poesie der Nachbarn. Dichter übersetzen Dichter« und Herausgeber der gleichnamigen Reihe mit zahlreichen Anthologien. Mitherausgeber der »Reihe P«. Seit 2010 künstlerischer Leiter des Künstlerhauses Edenkoben. Zuletzt erschienen von ihm die Gedichtbände Ratgeber für Zeugleute (Brueterich 2015), in riso/der dürre Vogel Bin/kälter als/Dunlop (Urs Engerer 2016).

Zum Buch:

Dieses Tableau der Deutschen Lyrik 2008 -2018 ist die sorgfältig zusammengetragene literarische Weisheit der Vielen aus der letzten Poesie-Dekade, die – in Gedichten von 180 Dichter*innen präsentiert wird. Und doch klingt die Behauptung, dies sei “eine ebenso vorläufige wie irrtumsanfällige Bestandsaufnahme der lyrischen Schreibweisen im noch jungen 21. Jahrhundert”, ein wenig nach Understatement.

Sind die Herausgeber Michael Braun und Hans Thill mit den Jahrzehnten und nach ihren drei Vorgänger-Anthologien Punktzeit (1987), Das verlorene Alphabet (1998), Lied aus reinem Nichts (2010) sowie nach der schönen Perlenfischerei mit den – leider nicht fortgeführten – Lyrik-Taschenkalendern in ihrem Urteil noch skeptischer und selbstkritischer geworden? Michael Braun meint: “In den Lyrik-Debatten seit Beginn des 21. Jahrhunderts sind einige liebgewonnene Gewissheiten und Übereinkünfte aufgekündigt worden. Es gibt keine verlässlichen Ordnungssysteme mehr …”

Ich könnte ein Berserker sein, so lautet der Titel des Eingangskapitels, und die gewählte Gedichtfolge bleibt haften als starker Auftakt und suggestiver Taktgeber für die weitere Lektüre, einer Lektüre, die unweigerlich hinführt ins Staunen über die “korrespondierenden Motive und intertextuellen Referenzen, die sie mit anderen Gedichten verbinden.”

Beim Lesen wächst die Versuchung, Verse unterschiedlichster Gedichte miteinander zu verfugen, immer wieder zu einem eigenen Cento (strenge Zitatmontage) des Gelesenen anzusetzen. Man gerät in einen Sog, weiter und weiterlesen zu wollen:

So eigen die individuellen “lyrischen Schreibweisen” immer wieder zu tastendem Lesen führen, so präzise sind viele Gedichte – oft auf den (wunden) Punkt. Sie öffnen zuvor unvermutete Gedankenräume und halten am Ende wesentliche Fragen offen.

Mit Blick auf uns und die vergangene Dekade und die Lage der Welt / jetzt:
Eine offene poetische Bestandsaufnahme – Wiedervorlage inbegriffen.

Karl Piberhofer, Berlin