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Autor
Perriot, Vincent

Negalyod 1

Untertitel
Übersetzt von Marcel Le Comte. Ab 10 jahre
Beschreibung
Negalyod ist eine Geschichte mit dem Gestus der Saga, die auf erzählerischer und ästhetischer Ebene eine Unzahl von Inspirationen aufnimmt. Von Mad Max bis Metropolis, von Valerian bis Star Wars, von Jurassic Park bis Blade Runner. Im Mittelpunkt steht der Hirte Jarri, der seine Saurierherde wegen eines Wetterlasters verliert. Wir sind in einer Zukunft, in der das Wetter und damit vor allem das Wasser von einer unsichtbaren Macht kontrolliert werden, dem Netz. Wetterlaster sind Fahrzeuge, die überall Gewitter auslösen können. Jarri, der Wüstenhirte, schwört nach dem Verlust seiner Tiere Rache und begibt sich in die Stadt. Dort schließt er sich rasch der Rebellion gegen das autoritäre Netz an. (ausführliche Besprechung unten)
Verlag
Carlsen Verlag, 2019
Format
Gebunden
Seiten
208 Seiten
ISBN/EAN
978-3-551-73433-4
Preis
28,00 EUR

Zum Buch:

So stellt man sich einen Comic vor: Groß, mit intensiven Farben und einer fantastischen Handlung. So – und nicht unbedingt mit dem diffusen Anspruch einer sogenannten Graphic Novel beladen. Ein Album voller Helden, utopischer Städte und spektakulärer Szenerien. Aber trotzdem mit Anspruch? Trotzdem irgendwie auch Literatur? Der Reihe nach.

Vincent Perriot, Jahrgang 1984, hierzulande noch nahezu unbekannt, ist ein französischer Zeichner, der keinen Hehl aus seinen Vorbildern macht. Negalyod ist eine Geschichte mit dem Gestus der Saga, die auf erzählerischer und ästhetischer Ebene eine Unzahl von Inspirationen aufnimmt. Von Mad Max bis Metropolis, von Valerian bis Star Wars, von Jurassic Park bis Blade Runner. Das sind vorwiegend Filme. Als zeichnerisches Vorbild für die Transformation all dieser Motive und Szenerien in einen Comic steht dabei über allem: Moebius. Der 2012 verstorbene Franzose (bürgerl. Jean Giraud), der gerade mit einer Ausstellung im Max-Ernst-Museum in Brühl geehrt wird, ist bekannt für seine faszinierenden Wüstenlandschaften, seine einfallsreiche Figurenzeichnungen und seine detailliert entfalteten utopischen Städte. Damit wäre auch der ästhetische Rahmen von Negalyod im Wesentlichen beschrieben.

Im Mittelpunkt steht der Hirte Jarri, der seine Saurierherde wegen eines Wetterlasters verliert. Wir sind in einer Zukunft, in der das Wetter und damit vor allem das Wasser von einer unsichtbaren Macht kontrolliert werden, dem Netz. Wetterlaster sind Fahrzeuge, die überall Gewitter auslösen können. Jarri, der Wüstenhirte, schwört nach dem Verlust seiner Tiere Rache und begibt sich in die Stadt. Dort schließt er sich rasch der Rebellion gegen das autoritäre Netz an. Einen charismatischen Führer mit attraktiver und enorm kluger Tochter gibt es auch noch – mehr muss man nicht wissen.

Die Geschichte ist spannend und ökonomisch erzählt, die ganz große Überraschung hält sie nicht parat. Aber immer, wenn man denkt, jetzt wird es ein wenig zu vorhersehbar, blättert man um und wird in ein Bild hineingesogen. Die technische Meisterschaft des jungen Franzosen und der perfekte Farbeinsatz (Florence Breton) sind überwältigend. Man kann sich kaum satt sehen. Perriot spielt seine Mittel aus, und man ist froh, dass beim Albumformat keine Kompromisse gemacht wurden. Und wenn auch hier reichlich zitiert wird, staunt man doch über Detailreichtum und Komposition. Manches Zitat ist dabei zudem doch überraschend, z.B. wenn eine Pflanzenwelt im Stil des deutschen Fotografen Karl Blossfeldt evoziert wird.

Negaryod ist ein visuelles Vergnügen – und eine Verfilmung so unnötig wie vermutlich unausweichlich.

Jakob Hoffmann, Frankfurt