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Tage des Grauens und der Verzweiflung

Autor
Chase, Owen

Tage des Grauens und der Verzweiflung

Untertitel
Aus dem Amerikanischen von Michael Klein
Beschreibung

Herman Melvilles Roman Moby Dick gehört unumstritten in den Kanon der Weltliteratur, doch nur wenige Menschen wissen, dass dieser auf einer tatsächlichen Begebenheit beruht, die sich in ihrem ganzen Ausmaß nicht weniger spannend liest als die spätere Fiktion.
(ausführliche Besprechung unten)

Verlag
Morio Verlag, 2019
Seiten
208
Format
Gebunden
ISBN/EAN
978-3-945424-71-1
Preis
20,00 EUR
Status
lieferbar

Zur Autorin / Zum Autor:

Owen Chase (1796–1869) wurde in Nantucket geboren und fuhr bereits früh zur See. Nach der „Essex“-Katastrophe wurde er einer der erfolgreichsten Walfänger-Kapitäne der Geschichte. Angesichts der schriftstellerischen Qualität seines Berichts wurde die Frage aufgeworfen, ob er selbst oder ein Ghostwriter das Manuskript formuliert habe. Melville schrieb dazu: „Es gibt offensichtliche Anzeichen, dass es für ihn geschrieben wurde, und doch erweist die ganze Art des Buchs, dass es sorgsam nach seinem Diktat der Fakten geschrieben wurde – es ist beinahe dasselbe, als hätte er selbst geschrieben.“

Zum Buch:

Die einen werden sich durch den mehrere hundert Seiten starken Roman gearbeitet haben, andere wiederum werden zumindest eine der zahlreichen Filmadaptionen kennen. Doch Namen wie Moby Dick, Kapitän Ahab oder Queequeg sind wohl den meisten Menschen bekannt, und nicht wenige werden mit einem der berühmtesten ersten Sätze dieses Romans etwas anfangen können: „Nennt mich Ismael.“

Was jedoch viele nicht wissen, ist die Tatsache, dass Herman Melvilles mit Abstand bekanntester Roman, so seltsam sich das auch anhören mag, auf einer absolut wahren Begebenheit beruht.

Obgleich die Walfangsaison bereits weit fortgeschritten war, begab sich im Herbst 1819 der Zweimaster Essex von Nantucket aus auf eine mehrjährige Fangfahrt. Der Weg führte die Mannschaft zunächst über den Atlantik und in südliche Richtung, sie umrundete Kap Horn mit knapper Not und erreichte gut ein Jahr später ihr Ziel, die Fanggründe des Pazifiks. Zunächst war den Walfängern nur wenig Glück beschieden, die Stauräume blieben leer und die Mannschaft begann bereits unruhig zu werden, als plötzlich Steuerbord voraus eine große Schule Pottwale gesichtet wurde. Man machte sogleich die Boote klar, jagte den Tieren hinterher, und nur wenige Zeit später kochte die See bereits vom Blut der harpunierten Riesen.

Eines der Boote jedoch, angeführt vom ersten Steuermann Owen Chase, wurde durch einen Zusammenstoß mit einem der Wale beschädigt und musste dringend an Bord der Essex repariert werden, indem man eilends eine Kupferplatte auf die Leckage schlug. Heute geht man davon aus, dass eben dieses Geräusch des Hämmerns einen außergewöhnlich großen und aggressiven Walbullen dazu veranlasste, das Schiff zu rammen. Die Essex wurde dabei so schwer beschädigt, dass sie aufgegeben werden musste und rasch darauf sank.

Doch damit hatte das Leid der Seemänner in ihren Booten erst begonnen, denn die anschließende monatelange Suche nach rettendem Land sollte die vor Hunger fast wahnsinnig gewordenen Männer bald schon zum Äußersten zwingen.

Owen Chase war einer der Überlebenden, und nach seiner Rettung versammelte er seine Erfahrungen über den Untergang der Essex sowie über die darauffolgenden Ereignisse in einem Bericht, der wiederum dem damals noch wenigen Lesern bekannten Romanautor Herman Melville unter die Augen kam und zu seinem späteren Welterfolg inspirierte. Und gerade vor dem Hintergrund, all dies habe sich so und nicht anders ereignet, liest sich die vorliegende, mit Zeichnungen und Erläuterungen sowie einem sehr aufschlussreichen Nachwort versehene Ausgabe von Chases Bericht noch spannender als der große Klassiker.

Axel Vits, Der andere Buchladen, Köln