Zum Buch:
„Die Demokratie wird von allen gemacht. Sie ist nichts, das gesichert ist, die Demokratie ist nichts, das man besitzt, sondern etwas, das man tut.“, so Emcke in ihrem Vorwort zu der Auswahl der vorwiegend politischen und gesellschaftskritischen Kolumnen, die sie von 2014 bis 2024 für die Süddeutsche Zeitung geschrieben hat. Die historischen Momentaufnahmen lassen zehn Jahre Weltgeschichte Revue passieren und regen an, darüber nachzudenken, wie weit die Aushöhlung demokratischer Prinzipien bereits vorangeschritten ist. Eine Lektüre, die dazu motiviert, dem entgegenzuwirken – auch deshalb ein guter Einstieg in das neue Jahr!
Emckes Kolumnen sind kurz gehalten, keine vier Buchseiten, genau die richtige Länge, um sich in einen Tag hinein- oder aus einem anderen herauszudenken. Sie tragen Titel wie „Leise Töne“ – eine Hommage an Glenn Gould und die zaghafte Annäherung von Ost und West in zeitgenössischer Literatur; „Was rettet“ – ein Sinnieren über Momente, Menschen und Rituale, die in Zeiten der Not, in der extremen Vereinzelung zur Zeit der Pandemie gerettet haben und die erst im Rückblick zu erkennen waren; oder „Nicht ducken“ – ein abgekürztes Zitat Hannah Arendts, das die Autorin als Anregung nimmt, laut darüber nachzudenken, wie man auf Angriffe und Diffamierungen reagieren kann oder sogar muss.
Zitate anderer Denker*innen, Dichter*innen, Künstler*innen, Musiker*- und Politiker*innen sind oft in den Texten zu finden, damit ist immer auch ein Anstoß zum selbstständigen Nachsinnen über das gewählte Thema, den aktuellen Anlass gegeben.
Darüber hinaus nimmt Carolin Emcke Leserinnen und Leser mit auf ihre eigenen Gedankenreisen. Sie enthalten dezidierte Aussagen wie die im NS-Dokumentationszentrum in München bei der Vorstellung ihres Buches: „Für Hoffnung haben wir keine Zeit mehr.“ Ebenso oft aber gibt die Autorin auch dem Zweifel an der eigenen Wahrnehmung Raum. Und genau das macht ihre Texte so wertvoll.
Susanne Rikl, München