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Autor
Freudenthaler, Laura

Iris

Untertitel
Roman
Beschreibung

Sie ist eine Reisende zwischen den Welten – unterwegs in Gegenwart und Vergangenheit, Realität und Fiktion, Neugierde und Entsetzen, Bericht und Imagination. All diese Ebenen des Lebens und Erlebens fließen ineinander und bilden den Fundus, aus dem Iris schöpft, wenn sie schreibt. Die Schriftstellerin arbeitet an einem Buch über die Hexenprozesse von Salem, und in ihrer Recherche überschreitet sie alle Grenzen …

(ausführliche Besprechung unten)

Verlag
Jung u. Jung, 2026
Format
Gebunden
Seiten
176 Seiten
ISBN/EAN
9783990274415
Preis
24,00 EUR

Zur Autorin/Zum Autor:

Laura Freudenthaler geboren in Salzburg, lebt als Schriftstellerin in Wien. Sie debütierte 2014 mit »Der Schädel von Madeleine«. Für ihren Roman »Die Königin schweigt« (2017) bekam sie den Förderpreis zum Bremer Literaturpreis, er wurde 2018 als bester deutschsprachiger Debütroman beim Festival du premier Roman in Chambéry ausgezeichnet. Für »Geistergeschichte« (2019) erhielt sie den Literaturpreis der Europäischen Union. 2020 gewann sie den 3sat-Preis bei den Tagen der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt, 2021 wurde sie für ihr Werk mit dem manuskripte-Preis ausgezeichnet, 2024 mit dem Reinhard-Priessnitz-Preis und dem Anton-Wildgans-Preis. Zuletzt erschienen: »Arson« (2023).

Zum Buch:

Sie ist eine Reisende zwischen den Welten – unterwegs in Gegenwart und Vergangenheit, Realität und Fiktion, Neugierde und Entsetzen, Bericht und Imagination. All diese Ebenen des Lebens und Erlebens fließen ineinander und bilden den Fundus, aus dem Iris schöpft, wenn sie schreibt. Die Schriftstellerin arbeitet an einem Buch über die Hexenprozesse von Salem, und in ihrer Recherche überschreitet sie alle Grenzen …

Haben Sie sich schon einmal gefragt, was das Schreiben eines Romans mit dem Autor, der Autorin macht? Freudenthaler zeichnet den über Monate andauernden Prozess in diesem Roman wie einen Strudel, in den Iris hineingezogen wird. In diesem Leben für das Schreiben, für die Literatur reist sie von Wien nach Chicago, Rom, Neapel, London, Sheffield, Warschau, Belgrad, Tirana, Venedig, um aus ihren Büchern zu lesen, mit Studenten zu diskutieren, zu Stipendienaufenthalten, hat überall Bekannte, Liebhaber, nur daheim in Wien zwei enge Freundinnen, die sie selten sieht, öfter mit ihnen telefoniert.
Die Bauart des Romans ähnelt Leopold Blooms stream of consciousness, Szenen fließen ineinander, atemlos, ohne innezuhalten. Zu Beginn eines Satzes irrt Iris noch ratlos suchend im Flughafen von Chicago umher, am Ende der Phrase ist sie schon wieder daheim und erzählt Anton, der in der Küche am Herd steht, von ihrer Reise. Weil Iris mehr über die Foltermethoden der Hexenprozesse wissen will, setzt sie sich selbst Schmerzen aus. Mit Anton teilt sie die sexuelle Lust an Fesselspielen, rollengebunden, oft verschwimmen die Grenzen zur Gewalt. Die inhaltlichen Überlappungen, den Verlust oder das Verschieben eines Fokus fasst Freudenthaler mehrfach in Bilder: Iris‘ schwindende Sehkraft, Antons Arbeit als Künstler mit beschädigten Kameras, die willkürlich und unkontrollierbar auf Elemente eines Bildes scharf stellen.

Während der Lektüre musste ich oft an M. C. Eschers „Zeichnende Hände“ denken: zwei dreidimensional dargestellte Hände, die die Manschette des Hemdes der jeweilig anderen Hand zeichnen. Eine Schriftstellerin, die über den Prozess des Schreibens schreibt, das zugleich ihre und die Berufung ihrer Romanfigur ist. Es gibt kein Entrinnen, das ist die eine Seite. Die selbst gewählte, erfüllende Daseinsform ist die andere. Iris ist ein tiefgründiger, im Tempo rasanter, erhellender Roman über Fluch und Segen eines Lebens für das Schreiben.

Susanne Rikl, München