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Bücher zu Lateinamerika

Autor
Ponce, Néstor

Der Dolmetscher (El intérprete)

Untertitel
[Roman] A.d.arg. Span. übers. von Tobias Wildner
Beschreibung
Verlag
Stuttgart: abrazos, 2010.
Format
englbr.
Seiten
253 Seiten
ISBN/EAN
978-3-939871-16-3
Preis
16,00 EUR

Zur Autorin/Zum Autor:

Néstor Ponce, geboren 1955 in Argentinien, ist Autor von fünf Romanen, einem Erzählband sowie einem Gedichtband. Er hat außerdem vier Essaybände veröffentlicht und war vielfach als Herausgeber tätig. Der Dolmetscher (1998), zugleich sein erster Roman, erhielt den Literaturpreis des Fondo Nacional de las Artes de Argentina. Seit einigen Jahren lebt und schreibt Néstor Ponce in Frankreich, wo er unter anderem an der Universität Rennes lateinamerikanische Literatur und Kultur lehrt.

Zum Buch:

Buenos Aires um 1870. Eine Stadt im Umbruch. Domingo F. Sarmiento ist seit zwei Jahren Präsident der Republik. Die blutigen Auseinandersetzungen zwischen der Zentralgewalt und den Provinzen sowie der Krieg gegen Paraguay sind beendet. Sarmiento fördert die Entwicklung seines Landes und setzt dabei auf eine vermehrte Einwanderung aus Europa. Der alte und reiche ehemalige Richter Matías Unzué de Álzaga hat die junge und schöne Französin Aude d’Alençon aus Paris eingeladen. Der Ich-Erzähler, Sohn französischer Eltern, wird von dem Alten als Dolmetscher benötigt und übersetzt im Fortgang der Geschichte fast täglich die unendlichen Monologe des Richters. Der Dolmetscher aber hat sich sofort in die junge Frau mit dem widerspenstigen roten Haar verliebt. „Beim Gehen drehte ich, warum auch immer, meinen Kopf noch einmal herum, und da sah ich sie, ihr einzigartiges Profil, das sich im Gegenlicht scharf abhob, wie festgehalten in einer Zeile des Nachmittags, flüchtig im spärlichen Licht des Raums. Vollendet, von einem Messer gezogene Linien. Das war die Bestätigung. Diese Frau sagte ich mir, wiederholte ich mir, ist ein Mysterium, sie ist unerreichbar. Und ja, sie wird immer die eines anderen sein.“ (127) Ponce gelingt es in seinem Roman eine genaue Schildung des Milieus, dem Leben in den Häusern der Reichen, der Arroganz der Oberschicht gegenüber den einfachen Leuten auf der Straße, der meist schwarzen Dienerschaft und den Prostituierten. Die Beobachtungen des Dolmetschers kulminieren schließlich in seinen oft alptraumartigen Schilderungen der Zustände in der Hauptstadt als dort eine Gelbfieberepedemie ausbricht. Und am Ende reflektiert er seine eigene Rolle: „Ein grausames Schicksal, denke ich, das Schicksal des Dolmetschers, des Vermittlers, ein grausames Schicksal. Einer, der ohne Gedanken denkt, der ohne Stimme spricht, der immer in anderen fühlt, der sich seiner Heimat entleert.“ (247) Der Roman, der von einer argentinischen Stiftung als einer der besten 45 Romane der letzten Jahres ausgewählt wurde, ist keine einfache Lektüre. Eine Anstrengung, die sich allerdings lohnt für diesen außergewöhnlichen und empfehlenswerten Roman. Hilfreich wäre bei künftigen Auflagen ein kleines Glossar und ein lesefreundlicheres Layout. Klaus Küpper (Bücher zu Lateinamerika}