Zum Buch:
Im Grundsatz solidarisch, im Detail kritisch gibt der Autor, 1969 bis 2002 Lateinamerika-Korrespondent der “Frankfurter Rundschau” und des Züricher “Tages Anzeigers”, einen gut lesbaren Überblick über die wichtigsten Motive, Protagonisten und Etappen der lateinamerikanischen Linken. Beginnend bei den Vordenkern der lateinamerikanischen Linken zu Anfang des 20. Jahrhunderts und der Analyse der mexikanischen Revolution, spannt Rey einen großen Bogen von Fidel Castros Kuba über das sandinistische Nicaragua bis hin zum heutigen Venezuela und zum indigenen Bolivien. Nüchtern beschreibt er, weshalb der chilenische Weg zum Sozialismus so schnell und umfassend gescheitert ist, dem idealisierten Mythos Che Guevara steht er kritisch gegenüber, und Guerillabewegungen etwa in Kolumbien oder Peru sieht er als misslungene Versuche, politischen Wandel mit brachialer Gewalt zu erzwingen. Chávez’ Politik charakterisiert er positiv als “radikal reformistisch”, diagnostiziert aber gleichzeitig einen Machthunger, der die eigenen Fähigkeiten überschätzt und letztlich Verachtung für demokratische Prinzipien bedeutet”. Basisdemokratische Ansätze und Errungenschaften, wie sie in der südbrasilianischen Stadt Porto Alegre umgesetzt wurden, begreift er im abschließenden Kapitel als Schlüssel für die “Suche Lateinamerikas nach einer sozialen Demokratie”.
Christoph Dietz (Bücher zu Lateinamerika)