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Die zweite Schwester

Autor
Ho-kei, Chan

Die zweite Schwester

Untertitel
Aus dem Englischen von Sabine Längsfeld
Beschreibung

Nga-Yee glaubt nicht, dass ihre kleine Schwester freiwillig in den Tod gesprungen ist. Auf der Suche nach den Verantwortlichen findet sie auf einer Social-Media-Plattform unzählige Hass-Posts, die ihre Schwester unmittelbar vor ihrem Tod erhalten hat. Mit Hilfe des dubiosen Hackers N will sie die Drahtzieher hinter der brutalen Hetze gegen ihre Schwester finden und zur Rechenschaft ziehen. Die Suche führt immer tiefer in die Abgründe des cyberspace und einer Gesellschaft, in denen zwischenmenschliche Beziehungen zunehmend durch digitalen Austausch geprägt werden.

Mit immer wieder überraschenden Wendungen schafft es Chan Ho-Kei auf fast 600 Seiten, die Leser*innen zu fesseln. Was als klassischer Whodunit beginnt, entwickelt sich ab der zweiten Hälfte zunehmend zum Thriller. Sehr kurzweilig geschrieben, auch für Leser*innen, ohne besondere Kenntnisse der Computertechnologie.
(ausführliche Besprechung unten)

Verlag
Atrium Verlag, 2021
Seiten
600
Format
Gebunden
ISBN/EAN
978-3-85535-111-4
Preis
25,00 EUR
Status
lieferbar

Zur Autorin / Zum Autor:

Chan Ho-kei wurde 1975 in Hongkong geboren, wo er bis heute lebt. Er hat als Programmierer, Computerspiele-Entwickler und Manga-Lektor gearbeitet. Für seine Short Storys wurde er mit dem Mystery Writers of Taiwan Award ausgezeichnet, für seinen ersten Roman gewann er den wichtigsten chinesischen Krimi-Preis. Das Auge von Hongkong gilt als sein Meisterwerk, das in zehn Ländern (darunter USA und Großbritannien, Frankreich, die Niederlande und Italien) erscheint und das von Wong Kar-wai verfilmt wird.

Zum Buch:

Nga-Yee und Siu-Man sind Waisen. Die Familie lebt am unteren Rand der Hongkonger Gesellschaft. Die Eltern sind ehemalige illegale Einwanderer ohne Verbindungen und Status. Entbehrungen, Krankheiten und Rückschläge prägen die Familiengeschichte. Als sich endlich eine Besserung der Lebensverhältnisse einstellt, stirbt der Vater bei einem Arbeitsunfall. Die Firma entzieht sich der Verpflichtung, der Familie die ihr zustehende Rente zu zahlen, indem sie vorgibt, der Vater hätte eigentlich für ein mittlerweile bankrottes Subunternehmen gearbeitet. Die Mutter arbeitet gleichzeitig in mehreren Jobs, um ihren Töchtern eine schulische Ausbildung und so den ersehnten gesellschaftlichen Aufstieg zu ermöglichen. Sie stirbt an Krebs, denn sie kann sich weder die Arztbesuche noch eine Behandlung leisten. Fortan ist Nga-Yee für ihre Schwester verantwortlich. Die Schwestern scheinen sich nah zu sein, doch als Siu-Man Selbstmord begeht, merkt Nga-Yee, wie wenig sie eigentlich vom Leben ihrer kleinen Schwester wusste.

Siu-Man wurde Opfer eines sexuellen Übergriffs in der U-Bahn. Dank der Überwachungskameras wurde der Täter schnell gefasst und nach einem Geständnis auch verurteilt. Es schien so, als hätte Siu-Man diesen Vorfall überwunden. Warum also der Selbstmord? Von einer Arbeitskollegin wird Nga-Yee auf mehrere Posts auf einer Social-Media-Plattform hingewiesen, auf der der Neffe des Täters schwere Anschuldigungen gegen Siu-Man erhebt und dadurch einen perfide Hetzkampagne gegen sie auslöst. Von misogynen Beleidigungen über offene Gewaltphantasien bis hin zu eindeutigen Morddrohungen – ihre erst 15jährige Schwester war offenbar wochenlang grausamen Anfeindungen ausgesetzt, ohne dass sie selbst etwas davon mitbekommen hatte.

Nga-Yee will den Neffen, den vermeintlichen Verursacher dieser Hetzkampagne, ausfindig machen, denn für sie hat er hat ihre Schwester in den Tod getrieben. Sie engagiert zunächst einen Privatdetektiv, der sehr schnell herausfindet, dass es gar keinen Neffen gibt und dass sich die IP-Adresse hinter den Posts nicht zuordnen lässt.

In Hongkong gibt es nur einen, der Nga-Yee jetzt noch helfen kann: der ominöse N, ein genialer Hacker und eigenbrötlerischer „freischaffender“ Experte für Computerfragen. Der nimmt er den Auftrag zunächst zögerlich an, doch zunehmend wird ihm klar, dass hinter allem ein ihm ebenbürtiger Mastermind stecken muss, der die Technik beherrscht, gekonnt andere Menschen manipuliert und instrumentalisiert und seine Spuren im Netz zu verwischen versteht. Spuren, die immer tiefer ins Darknet, zu Trollfabriken und Internetfirmen mit dubiosen Geschäftsideen führen. So einen Gegner kann man nur mit den eigenen Waffen schlagen …

Mit immer wieder überraschenden Wendungen schafft es Chan Ho-Kei auf fast 600 Seiten, die Leser*innen zu fesseln. Was als klassischer Whodunit beginnt, entwickelt sich ab der zweiten Hälfte zunehmend zum Thriller. Sehr kurzweilig geschrieben, auch für Leser*innen, ohne besondere Kenntnisse der Computertechnologie.

Andrea Schulz, autorenbuchhandlung marx & co, Frankfurt